Was gilt es zu beachten, wenn eine Tempo-30-Zone eingerichtet wird? Wo liegen die Herausforderungen? Was bringen diese Massnahmen? Pascal Humbert-Droz von Kontextplan gibt Auskunft.

Pascal Humbert, wie läuft die Schaffung einer Tempo-30-Zone typischerweise ab?
Oft kommt der Anstoss von Anwohnenden oder aus der Politik. Meist bezieht uns die Gemeinde dann mit ein, es kommt zu einer Ortsbegehung und zu Verkehrsmessungen. Dann die Massnahmen: Braucht es nur ein Zonensignal oder auch Markierungen, etwas Bauliches, etwas Gestalterisches? Die Verkehrsteilnehmenden sollen spüren, dass sie sich in einem anderen Bereich befinden. Und nach der Umsetzung ist eine Nachkontrolle sinnvoll.

Was sind denn die wichtigsten Herausforderungen?
Man muss möglichst alle an Bord holen. Auch wenn die Initiative oft aus der Bevölkerung kommt, sind meist nicht alle einverstanden. Man muss also gut kommunizieren und erklären: Wer versteht, warum etwas verändert wird, ist eher einverstanden. Das braucht allerdings Zeit. Und gerade der Faktor Zeit wird oft unterschätzt, erst recht, wenn man die Bevölkerung in den Prozess einbezieht, was ich sehr empfehle!

Worin besteht denn der Mehrwert einer 30er-Zone?
Neben der eigentlichen Verkehrsberuhigung steigt die Lebensqualität, weil es weniger Emissionen gibt. Zudem steigt die Sicherheit und die Koexistenz wird gefördert. Aber der Ort verändert sich auch. Wenn man langsamer durchfährt, sieht man auch mal ein Ladenlokal oder ein Café. Gerade im Seeland, wo die SIGNAL AG zu Hause ist, gibt es dafür super Beispiele.

Nämlich?
In Nidau führt eine kantonale Hauptstrasse durch das mittelalterliche Städtchen. Nachdem dort Tempo 30 eingeführt wurde, ist der Verkehr flüssiger und der Ort lebt als Aufenthaltsraum sichtlich auf. Ähnlich in Kerzers, einem Verkehrsknotenpunkt, wo Tempo 30 flächendeckend eingeführt wurde und jetzt sogar erweitert wird.

Haben Sie für unsere Leserinnen und Leser Tipps?
Wichtig ist, die Anwohner einzubeziehen, aber beispielsweise auch den Werkhof; Stichwort Winterdienst. Auch sollte man verknüpft denken, den Kontext einbeziehen: Was geschieht rund um die Zone? Und auch langfristige Überlegungen anstellen: Wie soll sich dieser Raum in den nächsten Jahren entwickeln? Zudem muss sichergestellt werden, dass durch Massnahmen keine Sicherheitsdefizite entstehen.

PROJEKTLEITER BEI KONTEXTPLAN
Pascal Humbert-Droz ist BSc. in Bauingenieurswesen, Verkehrsingenieur SVI/VSS sowie zertifizierte Fachperson Verkehrssicherheit. Die 2008 gegründete Kontextplan AG verfügt über Standorte in Bern, Solothurn und Zürich und beschäftigt derzeit etwas mehr als 50  Mitarbeitende.

kontextplan.ch

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